(Wien, 11. Mai 2026) – Jetzt geht’s endlich los mit der Attraktivierung der Verbindungsbahn. Die Evaluierungen der letzten Monate nach der Erkenntnis aus dem 1.300 Tage dauernden Rechtsmittelverfahren sind abgeschlossen. Die behördliche Genehmigung für die Attraktivierung der Verbindungsbahn liegt vor. Das Ergebnis: Die Hauptarbeiten starten im September 2026 im Nordabschnitt zwischen Wien Hütteldorf und Schrutkagasse mit der Hochlage. Herzstück der ersten Bauetappe ist die neue Haltestelle Wien Hietzinger Hauptstraße. Das gaben ÖBB-Infrastruktur-Vorständin Judith Engel und Karin Zipperer, Sprecherin der Geschäftsführung der Verkehrsverbund Ost-Region (VOR) GmbH, in einer heutigen Pressekonferenz gemeinsam bekannt.
„Wir sind erleichtert und freuen uns, dass wir nun endlich starten können! Für die Bahnkund:innen bedeutet das, dass der Viertelstundentakt der S80, zwei neue und eine modernisierte Haltestelle für mehr als 20.000 tägliche Ein- und Aussteiger:innen und eine attraktive, optimal verknüpfte West-Ost-Verbindung quer durch die Stadt Realität werden können. Anrainer:innen profitieren von Lärmschutz entlang der gesamten Strecke, erhöhter Sicherheit und Wegfall von Wartezeiten durch die Auflassung von Eisenbahnkreuzungen,“
betont Engel die Vorteile des Projekts.
Karin Zipperer unterstreicht die Bedeutung der Verbindungsbahn für die Ostregion und Wien: „Das Verbindungsbahn-Upgrade wird tausenden Wiener:innen und Pendler:innen jeden Tag spürbare Zeit- und Komfortgewinne bringen. Es schafft eine leistungsfähige West-Ost-Achse im öffentlichen Nahverkehr. Für die Fahrgäste ist es ein entscheidender Schritt zu besseren Direktverbindungen und einem attraktiveren Angebot im Wiener S-Bahn-Netz“.
Zipperer ergänzt: „Wir haben ein richtungsweisendes Ersatzangebot mit Bussen entwickelt, mit dem wir bereits heute die zukünftige Haltestelle ‚Hietzinger Hauptstraße‘ anbinden. Die im Straßenverkehr fahrenden Busse brauchen für die Strecke zwar länger als die Züge, die Fahrgäste profitieren aber von einer Verdoppelung der Frequenz. Damit fahren wir im Ersatzangebot tagsüber bereits den geplanten 15-Minuten-Takt der S80.“
Vorbereitende Maßnahmen im LaufenSchon im März wurde aus Rücksicht auf die Vogelbrutzeit Bewuchs entfernt. Nun werden alle beanspruchten Flächen bis über den Sommer auf Vorkommen von (streng) geschützten Arten abgesucht, um diese abzusammeln. Sie werden auf die bereits vorsorglich angelegte Fläche im Bereich Wolf in der Au gebracht. Diese sogenannte CEF-Fläche (CEF=Continuous ecological functionality) ist speziell für Reptilien und Schnecken geeignet. Somit sichern wir den Fortbestand der vorkommenden Lebewesen. Ebenfalls bereits gestartet wurden umfangreiche Beweissicherungsmaßnahmen. Bei Haushalten, die Anspruch auf passiven Lärmschutz, sogenannte Fensterförderung, haben, erfolgt in diesen Wochen die Kontaktaufnahme durch die beauftragten Ingenieurbüros.
Der Nordabschnitt im DetailHerzstück des Abschnitts Nord von Wien Hütteldorf bis etwa Höhe Schrutkagasse ist die Neuerrichtung der Haltestelle Wien Hietzinger Hauptstraße. Diese wird mit Ende 2029 in Betrieb gehen. Die Trasse befindet sich hier künftig in Hochlage, welche sich über ca. 800 Meter von den Wientalbrücken bis etwa zur Beckgasse erstreckt. Durch die Hochlage ist es möglich, die Eisenbahnkreuzungen Auhofstraße und Hietzinger Hauptstraße aufzulassen. Es entstehen dadurch permanent offene, barrierefreie Querungen durch Straßenunterführungen. Die Geh- und Radwegunterführung in der Beckgasse wird vergrößert. Durch die Attraktivierung wird der Bezirk neu verbunden und „zum Durchatmen“ geöffnet – die Barriere der Bahngleise verschwindet. Der sogenannte Hütteldorfer Ast, wo die Verbindungsbahn von der Weststrecke abzweigt, wird zweigleisig errichtet und die Eisenbahnbrücken Kefergasse, Guldengasse, Hackinger Straße und Zehetnergasse werden erneuert, wobei bei allen Objekten die Durchfahrt vergrößert wird.
Services für Anrainer:innenAnrainer:innen halten wir über Postwurf von Anrainer:innen-Informationen während der gesamten Baudauer am Laufenden. Mit den betroffenen Bezirksvorstehungen steht die Projektleitung laufend im Austausch. In jeder Anrainer:innen-Information findet sich der Kontakt zur eingerichteten Ombudsstelle (+43 664 617 67 93), welche für Anliegen der Bürger:innen telefonisch da ist.
Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, einen Projektnewsletter über die Website
infrastruktur.oebb.at/verbindungsbahn zu abonnieren.
Planausstellungen im 13. und 14. BezirkMitte September läuft im 13. Bezirk eine mehrtägige Planausstellung, welche Ende September in den 14. Bezirk weiterwandert. Die Einladungen dazu erhalten betroffene Haushalte per Postwurf. Die Veranstaltungen werden vom Projektteam begleitet. Interessierte haben die Möglichkeit im direkten Austausch mit den Projektverantwortlichen ihre Fragen zu stellen.
Infobox: Ausstellung runderneuertAb Mitte September öffnet die neu gestaltete und erweiterte Infobox in der Speisinger Straße 3. Sie wird während der gesamten Projektlaufzeit als umfassende Informationsquelle rund um die Attraktivierung der Verbindungsbahn zur Verfügung stehen und alle Infos zu Bauumfang, Bauablauf und Auswirkungen auf das Umfeld beinhalten.
Fahrplanänderung erforderlich: Teil-Ausfall S80Durch das enorm lange Behördenverfahren und die Wechselwirkung mit anderen laufenden und geplanten Projekten ist es erforderlich, die S80 ab 04. Juli bis 06. September nur im Abschnitt Wien Aspern – Wien Hauptbahnhof bzw. ab 7. September bis mindestens Ende 2027 im Abschnitt Wien Aspern – Wien Meidling zu führen. Ab Schulbeginn wird die S80 via Wien Meidling nach Süden als S3 bis Mödling weitergeführt.
Attraktives ErsatzangebotDie ÖBB richten ein umfangreiches Ersatzangebot mit Bussen mit Haltestellen in Wien Meidling, Wien Speising, Wien Hietzinger Hauptstraße und Wien Hütteldorf ein. Mit den Sommerferien 2026 starten die Ersatzbusse im Halbstundentakt zwischen Wien Hütteldorf und Wien Meidling. Ab 07. September 2026 und bis Ende 2027 erfolgt eine Verdichtung des Schienenersatzverkehrs von Montag bis Freitag (wenn Werktag) auf einen 15-Minuten-Takt an Werktagen zwischen 05:30 Uhr und 20:00 Uhr. Außerhalb dieser Zeit, an Wochenenden und feiertags wird die Strecke im 30 Minuten-Takt bedient. Die Busse fahren länger, dafür aber öfter als bisher die S80.
Eingleisiger Betrieb durch BauarbeitenWährend der Bautätigkeiten kann nur ein Gleis im Baubereich in Betrieb bleiben, wodurch sich die Kapazität der Verbindungsbahn stark reduziert. Diese ist jedoch eine für die Zugwartung bei gleichzeitiger Sperre der Schnellbahn Stammstrecke enorm wichtige Strecke. Zunächst ist sie Ausweichstrecke für den Lainzer Tunnel. Und sie muss viele Fahrten zu den Werkstätten am Westbahnhof aufnehmen. So müssen durch die S-Bahn Sperre, mit der sich das Bauvorhaben leider überschneidet, Zuggarnituren, die südlich von Wien im Einsatz sind und bei Normalbetrieb in Wien Floridsdorf gewartet würden, jetzt am Westbahnhof serviciert werden. Dabei geht es z. B. um die Reinigung und Reparatur von Zügen. Um die notwendigen Trassenkapazitäten für diese Betriebsfahrten zur Verfügung stellen zu können, ist es notwendig, die S80 in diesem Bereich einzustellen.
Das Projekt im DetailDie neue Haltestelle Wien Hietzinger Hauptstraße wird für einen durchgehenden, schrankenlosen Verkehr in der Hietzinger Hauptstraße und der Auhofstraße in Hochlage errichtet. Im Bereich der Sichtachsen wird auf eine durchlässige Gestaltung mit Lärmschutzwänden aus Glas geachtet.
Die Haltestelle Wien Speising wird modernisiert und Richtung Osten verlegt, um den barrierefreien Einstieg in die Züge zu ermöglichen, welcher in der derzeitigen Lage der Station in einem engen Gleisbogen nicht möglich ist. Sie wird über barrierefreie Zugänge vom neu gestalteten Dreiecksplatz sowie von der Speisinger Straße und einen weiteren Zugang von der Hofwiesengasse verfügen.
Die Haltestelle Stranzenbergbrücke wird unterhalb der namensgebenden Brücke liegen. Sie ist über zwei barrierefreie Zugänge von der Brücke sowie über einen weiteren Zugang von einem neu zu errichtenden, barrierefreien Steg für Fußgänger:innen und Radfahrer:innen zwischen Klimtgasse und Kernstraße zu erreichen.
Permanent offene und barrierefreie Querungsmöglichkeiten ohne Warten vor geschlossenen Schranken werden geschaffen. In der Auhofstraße und der Hietzinger Hauptstraße wird erstmals ein durchgängiger, schrankenloser Verkehr möglich. Zusätzlich wird in der Versorgungsheimstraße (via Jagdschloßgasse) als Ersatz für die wegfallenden Eisenbahnkreuzungen in der Veitingergasse, Versorgungsheimstraße und in der Jagdschloßgasse eine Unterführung für den motorisierten Individualverkehr errichtet.
Auch in der Veitingergasse und der Jagdschlossgasse entstehen für Fußgänger:innen barrierefreie Unterführungen mit fahrradtauglichen Liften. Der Hildegard-Teuschl-Weg, der die beiden Gassen verbindet, wird verbreitert und barrierefrei ausgebaut Die Unterführung in der Hofwiesengasse wird vergrößert.
Im 14. Bezirk werden die Durchfahrten der Zehetnergasse, Guldengasse und Hackinger Straße verbreitert und bieten somit mehr Komfort und Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer:innen. Entlang der Strecke entsteht erstmals ein umfassender und moderner Lärmschutz, der jeden vorbeifahrenden Zug für die Anrainer:innen leiser macht.
Der Viertelstundentakt der S80 ist erst nach Abschluss der gesamten Arbeiten zur Attraktivierung der Verbindungsbahn möglich. Dies wird aufgrund der Verzögerung durch das Behördenverfahren voraussichtlich erst 2036 sein.
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