Personen auf dem Foto v.l.n.r.: LH-Stv. Udo Landbauer, Nationalratsabgeordnete Martina Diesner-Wais, Judith Engel, Vorständin ÖBB-Infrastruktur AG, Bürgermeister Sigmundsherberg Franz Göd
Mit der Fertigstellung des runderneuerten Bahnhofs Sigmundsherberg wurde ein weiterer wesentlicher Schritt zur Modernisierung der Bahninfrastruktur im nördlichen Niederösterreich umgesetzt. Der Bahnhof ist nun neu gestaltet, vollständig barrierefrei und bietet den Fahrgästen verbesserte Zugangs- und Umsteigemöglichkeiten.
Die Maßnahmen sind Teil eines gemeinsamen Mobilitätspakets von ÖBB, Bund und Land Niederösterreich. Ziel ist die nachhaltige Modernisierung der Franz-Josefs-Bahn und der Kamptalbahn sowie die langfristige Stärkung des Bahnverkehrs im Wald- und Weinviertel.
Bahntechnik und Bahnsteige erneuert
Ein Großteil der Arbeiten – einschließlich des neuen elektronischen Stellwerks – wurde seit Mai 2024 während des laufenden Bahnbetriebs umgesetzt. Fahrgäste profitieren nun von neuen und verlängerten Bahnsteigen, einem verbesserten Zugang zum modernisierten Warteraum sowie von zeitgemäßer Fahrgastinformation, etwa durch digitale Infostelen. Der bestehende Mittelbahnsteig 2/3 wurde auf eine Länge von 330 Metern erweitert.
Neuer Personensteg als zentrales Verbindungselement
Ein wesentlicher Bestandteil der Bahnhofserneuerung ist der neue Personensteg, der die Park&Ride-Anlage, die Bahnsteige und den Zugang zum Ortszentrum sicher miteinander verbindet. Der Steg ermöglicht einen witterungsgeschützten, übersichtlichen und komfortablen Zugang zu den Zügen und prägt zugleich das neue Erscheinungsbild des Bahnhofs.
Die rund 103 Tonnen schwere Stahlkonstruktion wurde im Herbst 2025 mithilfe eines 750 Tonnen-Krans und eines weiteren 350 Tonnen-Krans millimetergenau eingehoben. Der Personensteg ist 58 Meter lang; die Aufgänge und Lifttürme sind jeweils rund zwölf Meter hoch. Insgesamt besteht die Konstruktion aus 3.273 vorgefertigten Einzelteilen.
Barrierefreiheit und verbessertes Umsteigen
Mit dem neuen Personensteg und den modernen Aufzugsanlagen ist der Bahnhof nun durchgängig barrierefrei. Die Aufzüge sind seit Anfang März in Betrieb und ermöglichen einen stufenlosen Zugang zu allen Bahnsteigen. Dadurch wird der Zugang insbesondere für mobilitätseingeschränkte Personen, ältere Fahrgäste sowie für Reisende mit Kinderwagen oder schwerem Gepäck deutlich erleichtert.
Auch der Umstieg zwischen Zügen der Franz-Josefs-Bahn und der Kamptalbahn ist nun komfortabler möglich. Der bisherige Übergangssteg mit steilen Stiegen wird im Mai im Rahmen nächtlicher Arbeiten abgebaut. Die Gesamtkosten für die Bahnhofsmodernisierung in Sigmundsherberg belaufen sich auf rund 53 Millionen Euro.
Judith Engel, Vorständin ÖBB-Infrastruktur AG: „Ein guter Tag für alle, die im nördlichen Niederösterreich mit der Bahn unterwegs sind. Auch in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten sind die ÖBB ein verlässlicher Partner. Die Franz-Josefs-Bahn ist für das Waldviertel eine sehr wichtige Strecke für den Personen- und Güterverkehr.“
LH-Stv. Udo Landbauer: „Die Modernisierung des Bahnhofs Sigmundsherberg ist ein starkes Signal für den öffentlichen Verkehr im Waldviertel. Der Bahnknoten wird fit gemacht für die Umsetzung des Jahrhundertprojektes der Direktanbindung Horn an die Franz-Josefs-Bahn. Zukünftig können die Züge ab voraussichtlich 2030 hier sowohl nach Gmünd als auch Horn und umgekehrt attraktiv, umsteigefrei geführt werden. Eine Fahrzeitkürzung von 15 Minuten nach Horn über Sigmundsherberg wird zukünftig neue Qualitäten für die Pendler bringen. In Sigmundsherberg wurde der erste wichtige Schritt zur Realisierung der elektrischen Anbindung der Bezirkshauptstadt Horn gesetzt. Genau solche Investitionen sind entscheidend für unsere Pendler, eine lebenswerte Region und für eine funktionierende Wirtschaft. Unser Ziel ist klar: Wir wollen mit der NÖ Bahnoffensive für unsere Landsleute bessere Verkehrsverbindungen schaffen und damit die ländlichen Regionen stärken.“
Martina Diesner-Wais, Abgeordnete zum Nationalrat: „Als Knotenpunkt zwischen der Strecke Wien – Gmünd und der Kamptalbahn nimmt Sigmundsherberg eine zentrale Rolle im Bahnnetz ein. Mit der geplanten Elektrifizierung Richtung Horn bis Ende 2030 werden sich für Pendler:innen neue, direkte Verbindungen nach Wien ergeben. Damit machen wir unser schönes Niederösterreich als Lebensmittelpunkt für möglichst viele Familien noch attraktiver.“
Franz Göd, Bürgermeister Sigmundsherberg: „Für die Marktgemeinde Sigmundsherberg und seinen Bürgerinnen und Bürgern bedeutet der modernisierte Bahnhof weit mehr als eine moderne Infrastruktur – er ist ein klares Zeichen, dass Sigmundsherberg auch künftig eine wichtige Rolle entlang der Franz-Josefs-Bahn einnimmt. Mein Dank gilt den ausführenden Firmen für einen weitestgehend reibungslosen Ablauf der Bautätigkeiten. Ein großer Dank gilt den Anrainerinnen und Anrainern, die während der Bauarbeiten viel Geduld bewiesen haben.”
Arbeiten entlang der Franz-Josefs-Bahn
Parallel zur Bahnhofseröffnung werden entlang der Franz-Josefs-Bahn weitere Infrastrukturmaßnahmen umgesetzt. In den kommenden Jahren erneuern die ÖBB Gleis- und Weichenanlagen, Oberleitungen, Brücken sowie Ober- und Unterbau; mehrere Bahnhöfe werden bis 2027 mit elektronischen Stellwerken ausgestattet. Für Arbeiten, die während des laufenden Betriebs nicht möglich sind, bündeln die ÖBB die Bauphasen: Der nördliche Abschnitt České Velenice – Sigmundsherberg ist von 18. bis 27. April 2026 unterbrochen. Direkt anschließend folgen von 27. April bis 9. Juni 2026 Arbeiten im Abschnitt Sigmundsherberg – Absdorf-Hippersdorf. In dieser Zeit sind auch Einschränkungen auf der Kamptalbahn Sigmundsherberg – Krems/Donau notwendig.
Für alle betroffenen Strecken richten die ÖBB einen Schienenersatzverkehr mit Bussen ein; auf der Kamptalbahn können in der Früh einzelne Züge für Pendler:innen und Schüler:innen angeboten werden. Zwischen Absdorf-Hippersdorf und Wien verkehren die Züge wie gewohnt. Fahrgäste werden gebeten, sich vor Fahrtantritt in der ÖBB-Fahrplanauskunft Scotty über ihre Verbindung zu informieren.
Zweigleisige Streckenabschnitte
Auf Schiene sind auch weitere Verbesserungen der Infrastruktur, die in den 2030er-Jahren umgesetzt werden: Damit die Züge einander ohne Zeitverlust begegnen können, wird die Strecke auf Abschnitten nördlich von Absdorf-Hippersdorf über eine Länge von 2,5 Kilometern sowie östlich von Irnfritz über 4 Kilometer zweigleisig ausgebaut. Neben dem abschnittsweisen zweigleisigen Ausbau ist die Anhebung der Höchstgeschwindigkeit in manchen Streckenabschnitten der Franz-Josefs-Bahn geplant. Die Bezirkshauptstadt Horn erhält bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2030 eine teilweise neue und elektrifizierte Streckenanbindung und damit erstmals eine attraktive Verbindung ohne Umsteigen nach Wien. Weiters werden Eisenbahnkreuzungen modernisiert oder aufgelassen.
Wie profitieren die Fahrgäste
Pendler:innen auf der Franz-Josefs-Bahn dürfen sich über ein besseres Angebot mit kürzeren Fahrzeiten auf der Schiene freuen: Die neue Infrastruktur und die neu errichteten elektronischen Stellwerke ermöglichen künftig zwischen Wien und Gmünd sowie in die Gegenrichtung einen durchgehenden Stundentakt bzw. einen Halbstundentakt in der Hauptverkehrszeit. Weiters verkürzen sich die Fahrzeiten um bis zu 10 Minuten und es gibt mehr Verbindungen: Zu den Stoßzeiten halten zusätzliche Züge in Großweikersdorf, Ziersdorf, Limberg-Maissau und Eggenburg.